Diese Superkräfte haben mir geholfen

Als ich den Aufruf zur Blogparade von Anna Koschinski gelesen habe, dachte ich sofort, ja, da mache ich mit. Denn ein Blick zurück auf die Zeit während des ersten Lockdowns im Frühling und auf das was, ich in dieser Zeit trotz allem geschafft habe, macht mir meine Superkräfte vielleicht auch etwas bewusst. Die Zeit empfand ich schon als sehr herausfordernd, denn mein Mann und ich waren beide im Homeoffice und beide Kinder (damals 2. und 4. Klasse) im Homeschooling. Trotzdem sind wir ganz gut durch diese Zeit gekommen und gerne teile ich mit dir, was mir geholfen hat.

Meine Superkräfte in dieser Zeit: Struktur und gut für mich sorgen

Ich brauchte die Struktur des einigermaßen geregelten Alltags. So habe ich mich nie im Schlafanzug an den Schreibtisch gesetzt, sondern war immer „richtig“ angezogen. Auch versuchten wir trotz beruflicher Termine gemeinsam Mittag zu essen. Nach Feierabend bin ich fast täglich mit den Kindern draußen gewesen. Die Kinder mit Roller oder Inlineskates und ich zu Fuß, ein bisschen Bewegung an der frischen Luft, mal raus kommen. Abends haben meinen Mann und ich dann noch einen Spaziergang gemacht. Gemeinsame Zeit, die wir genutzt haben um uns in Ruhe auszutauschen. Da haben wir mal wieder festgestellt, wieviel Freiheit man zurückbekommt, wenn die Kinder größer werden. Da kann man die Kinder auch mal eine halbe Stunde allein zu Hause lassen.

Auch habe ich versucht, mich gut um mich zu kümmern. Das war manchmal etwas schwierig, schließlich waren wir fast immer alle zusammen zu Hause und da fiel es mir nicht leicht, mir Zeit für mich zu nehmen. Deswegen bin ich morgens vor allen anderen aufgestanden und hatte so Zeit um in Ruhe in den Tag zu starten. Ich habe ein paar Yogaübungen gemacht, meditiert und in mein Journal geschrieben. So hatte ich schon etwas für mich gemacht und fühlte mich entspannter. Außerdem bin ich oft joggen gegangen. Das hat mir geholfen, den Kopf frei zu bekommen und mal abzuschalten.

Homeschooling - eine Herausforderung

Das Homeschooling (ich weiß, das ist nicht der richtige Begriff aber ich denke, ihr wisst, was ich meine) hat mich ehrlich gesagt ziemlich unter Druck gesetzt. Die Kinder konnten die Aufgaben nicht immer selbstständig erledigen und oft war es ein Jonglieren zwischen Arbeit und Schulaufgaben. Besonders gestresst hat mich, wenn ich mich dann mit anderen Müttern unterhalten habe und sie erzählt haben, was die Kinder alles zusätzlich zu den Pflichtaufgaben noch erledigen. Da habe ich beschlossen, mich nicht mit anderen zu vergleichen. In anderen Familien herrscht eine ganz andere Situation, vielleicht muss die Mama nicht so viel arbeiten, vielleicht erledigt das Kind die Pflichtaufgaben schnell und mit Spaß. Ich konnte stolz darauf sein, dass unsere Kinder die Aufgaben erledigten, obwohl mein Mann und ich gearbeitet haben.

Positive Seiten

Aber bei allem Stress und allen Einschränkungen habe ich in dieser Zeit nie das Positive aus den Augen verloren. Wir haben ganz viel Zeit als Familie verbracht und mein Mann konnte auch endlich von zu Hause arbeiten, was vorher nie möglich war. Auch ich konnte mir die lange Fahrzeit ins Büro sparen und die Kinder konnten mehr nach ihrem eigenen Rhythmus leben. Das habe ich mir immer wieder bewusst gemacht und jeden Abend drei Dinge für die ich dankbar bin in mein Dankbarkeits-Tagebuch geschrieben.

Hier zusammen gefasst, was mir durch diese Zeit geholfen hat

Und dann steht plötzlich alles Kopf...

Damit hätte dieser Artikel eigentlich zu Ende sein können. Aber es sollte noch eine weitere Herausforderung auf uns warten. Gerade kehrte sowas wie Normalität ein. Trotz „Lockdown light“ hatten wir uns gut arrangiert. Viele Treffen fanden virtuell statt, die Kinder gingen glücklicherweise in die Schule und mit wenigen Leuten haben wir uns getroffen, meistens zum Spaziergang.

Aber dann wurde unser Sohn Ende November plötzlich krank, er bekam Fieber, ziemlich hoch und wir sind zum Kinderarzt. Obwohl er nicht die „typischen Corona-Symptome“ zeigte, wurde ein Test gemacht und der war positiv. Das war erstmal ein Schock. Ein ganzer Rattenschwanz an to dos, umplanen, Leute informieren etc. Von einer Minute auf die andere stand das Leben Kopf und wir waren in Quarantäne.

Neue Herausforderungen

In Teilen konnten wir auf unsere Routine aus dem Frühjahr zurückgreifen. Mein Mann und ich begannen wieder früh mit der Arbeit im Homeoffice, die Kinder durften etwas länger schlafen. 

Das Homeschooling hat mit unserem Sohn besser geklappt als im Frühjahr. Seine ganze Klasse war zu Hause und so verpasste er keinen Unterricht, alle hatten einen Wochenplan zu bearbeiten. Bei unserer Tochter sah das etwas anders. Dort ging der Unterricht in der Schule normal weiter und sie musste sich das Material besorgen, natürlich mit Unterstützung von uns. Aber die meisten Tage verbrachte ich zuerst mit Arbeit und dann mit Hilfestellung bei den Schulaufgaben abwechselnd für beide Kinder. Zeit für mich blieb da wenig und ich fragte mich zwischendurch öfter, wie ich das schaffen soll. 

Auch fragte ich mich, wo ich „falsch abgebogen war“, denn der Großteil des Haushalts und der Unterstützung der Kinder blieb an mir hängen. Mein Mann hatte so viel zu tun, dass er den ganzen Tag durcharbeitete und oft auch nach dem Abendessen noch einmal am PC saß. Eigentlich hatten wir uns Haushalt und Erziehungsarbeit mal geteilt, aber davon war in dieser Zeit nicht viel zu bemerken. Ich versuchte es positiv zu sehen, immerhin hatte ich nicht auch noch Stress auf der Arbeit, konnte mir meine Zeit ziemlich gut einteilen. 

Erschwerend kam hinzu, dass mein großer Ausgleich, das Joggen und auch der Spaziergang mit meinem Mann am Abend, jetzt wegfielen. Wir durften ja das Haus nicht verlassen. Also musste ein Ersatz her. Da die Kinder auch nicht ausgelastet waren, starteten wir ein Sportprogramm und machten einfach bei diversen Online-Sportvideos mit. Das hat ein bisschen geholfen.

Kraft sammeln

Was mir auch in dieser Zeit Kraft für den Tag gegeben hat, war meine Morgenroutine. Vor der Familie aufstehen, die Ruhe genießen, ein paar Yogaübungen, Meditation und schreiben. So konnte ich sortiert und ruhiger in den Tag starten.

Und auch in der Quarantäne wurde mir wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass ich mit meinen Gedanken bei mir und meiner Familie bleibe. Als wir erzählten, dass unser Sohn sich irgendwo mit Corona angesteckt hatte, war die Reaktion oft von Angst geprägt. „Hoffentlich habt ihr euch nicht angesteckt.“ „Hoffentlich hat er keinen schweren Verlauf.“ Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich habe mich also von den Ängsten der anderen abgegrenzt und habe daran geglaubt, dass schon alles gut geht. Vor allem habe ich meine Kinder vor den Ängsten der anderen geschützt. Denn Angst wäre in dieser Zeit kein guter Begleiter gewesen.

Ich ergänze also meine Liste der Superkräfte mit folgenden Punkten

Sei stolz!

Was leider in der gesamten Zeit hinten anstehen musste, waren neue Ideen für meine Selbstständigkeit. Hierfür hatte ich keine Kreativität mehr und ich war froh, dass ich noch ein bisschen auf Social Media sichtbar war. Durch meine Festanstellung war ich auch nicht auf die Einnahmen angewiesen, aber es hat lange gebraucht, bis ich hier den Druck herausnehmen konnte. Das was möglich war, habe ich gemacht. Ich bin stolz darauf, dass ich trotz der Mehrfachbelastung nicht komplett abgetaucht bin. Dafür kann ich mir auf die Schulter klopfen. J

Das sollten wir sowieso viel öfter machen, stolz auf uns sein und uns mal selbst auf die Schulter klopfen!

2 Kommentare

  1. Wow, danke für die Einblicke und den ehrlichen Text. Von mir auch ein großes Schulterklopfen und eine dicke virtuelle Umarmung – wenn wir es schon nicht in echt dürfen, dann wenigstens in der Vorstellung. Danke, dass du bei meiner Blogparade dabei bist!
    Liebe Grüße
    Anna

  2. Liebe Daniela,
    das sind wunderschöne Gedanken. Jeden einzelnen Gedanken nur ein kleines bisschen praktizieren – das macht eine Superheldin aus.
    Liebe Grüße
    Edith

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